Die Vorbereitung der Großbaustelle Boulevard hat sich zu einem regelrechten „Abstimmungsmarathon“ entwickelt. Da die Breite Straße von zentraler Bedeutung für Luckenwalde ist, ist es wichtig, alle Auswirkungen der anstehenden Sanierungsarbeiten zu bedenken, alle Betroffenen zu beteiligen und zahlreiche Genehmigungen einzuholen. Nach elf Abstimmungsrunden hatte als erste am 15. September 2014 die Untere Denkmalschutzbehörde ihr „ok“ für die Sanierung gegeben.

Vor allem die Entscheidung über die Zukunft der Bäume auf dem Boulevard ist keinem der Planungsbeteilgten leicht gefallen und ist nicht übereilt getroffen worden. Deshalb verzögerte sich der Beginn der Sanierungsarbeiten, so dass sie voraussichtlich im Sommer 2015 beginnen werden. Die Stadt Luckenwalde war zunächst fest davon ausgegangen, dass der Baumbestand erhalten werden kann. Aber nach zahlreichen Diskussionen mit Experten und unabhängigen Baumschutzgutachtern hat man einsehen müssen, dass die Bäume die Bauphase auf dem Boulevard nicht vital überstehen würden und auch nicht umpflanzfähig sind. Auch wenn viele aktuell einen gesunden Eindruck machen, hatten die meisten nicht die Standortbedingungen, um sich optimal entwickeln zu können. So zeigt das Baumgutachten, dass die Bäume bis in die Blumenbeete hinein wurzeln und verschwindend geringe Chancen hätten, eine extrem teure Umpflanzung während der Bauzeit unbeschadet zu überstehen. Es würde den Bauablauf verkomplizieren, wenn man zwischen den Bäumen mit den großen Baumaschinen arbeiten wollte und bei der Erneuerung der bis zu 3 Meter tiefen Leitungen die Wurzeln berücksichtigen müsste. In jedem Fall muss jedoch das Grundwasser abgesenkt werden, um die Kanäle zu erneuern. Die Bäume würden daher über Monate immer wieder ohne Grundwasseranschluss im Trockenen stehen. Eine örtliche zusätzliche Bewässerung während der Baumaßnahme würde nicht die Gewähr für den nachhaltigen Erhalt bieten. Die Erneuerung des Boulevard hat so zu erfolgen, dass nachträgliche Aufbrüche ausgeschlossen werden, dies konnten die Gutachter bei einem Verbleib der Bäume nicht garantieren. Der Naturschutzbeirat des Landkreises Teltow Fläming hat am 11.09.2014 nach mehrstündiger Erörterung die geplante Fällung akzeptiert. Vorbehaltlich der Stellungnahme der Naturschutzverbände wurde von der Unteren Naturschutzbehörde am 24.09.2014 die Genehmigung zur Fällung erteilt und letztlich deren Wiederspruch im Januar abgewiesen. Es werden in den kommenden Jahren immer nur so viele Bäume gefällt, dass im jeweiligen Bauabschnitt gearbeitet werden kann. Nach Abschluss eines Bauabschnittes werden dort bereits die neuen Bäume gepflanzt, so dass der Boulevard nie kahl sein wird und man die Bäume noch so lange wie möglich genießen kann. Die zeitliche Abfolge der Bauabschnitte wird auf die Bäume abgestimmt, da nur zwischen Oktober und Februar gefällt werden darf. Die neuen Bäume erhalten durch wasserspeichernde Spezialsubstrate von 12m³ optimale Standortbedingungen und werden künftig viel weniger mit den Belagsflächen in Konkurrenz treten. Das jetzige Wurzelwerk hatte an vielen Stellen die Platten nach oben gedrückt und zerstört.

In diesem Jahr wird zunächst der Abschnitt der Theaterstraße vom Kleinen Haag bis zur Breiten Straße saniert. Anschließend folgt der Bereich des Boulevards von der Einmündung „Lämmergasse“ bis einschließlich der Kreuzung Dahmer Straße auf der östlichen Straßenseite. Die historischen Ausstattungsgegenstände werden weitestgehend erhalten und repariert. Es soll zusätzlich ein ebenerdiges Fontänenfeld angelegt werden. Erfahrungen aus anderen Kommunen zeigen, dass ein solcher Wasserspielplatz insbesondere auf Kinder besonders anziehend wirkt. Unterirdisch wird eine Wasseraufbereitungsanlage eingebaut, aus der die Brunnen und das Fontänenfeld gespeist werden. Der Büchsenbrunnen wird in Richtung Engpass versetzt, so dass sich eine größere Freifläche bildet, die für Veranstaltungen genutzt werden kann. Nach dem Vorbild Eberswaldes wäre es dann möglich, an Samstagvormittagen mit wechselndem Kulturprogramm Besucher mitten auf die Fußgängerzone zu locken. Von dieser Belebung könnten alle Geschäfte und Cafés profitieren. Insgesamt wird das Straßenniveau vor den Geschäften leicht angehoben, um barrierefreie Eingänge zu schaffen, zumindest aber eine Stufe einzusparen. Wo dies nicht möglich ist, werden kleine Rampen den Zugang für Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren und Kinderwägen ermöglichen. Ein Sehbehindertenleitsystem wird künftig dafür sorgen, dass alle Menschen den Boulevard nutzen können und sich zurechtfinden.

Spätestens zu Baubeginn wird im Bereich der Breiten Straße ein Baubüro entstehen, in dem man sich über die Sanierung des Boulevards ausführlich informieren kann. Das Baubüro wird zu regelmäßigen Zeiten geöffnet und dient als Anlaufstelle für Fragen von Bürgern und Geschäftsinhabern. So sollen mögliche Einschränkungen durch die Baumaßnahme frühzeitig kommuniziert und auf Behinderungen schnell reagiert werden können.